Homöopathie-Konzern mahnt Kritiker ab

Der Pharmakonzern Hevert geht mit Abmahnungen gegen die Behauptung vor, das homöopathische Mittel keine Wirkung ausser dem Placeboeffekt haben.

In der Rheinpfalz erklärt die Ärztin Natalie Grams auf die Frage, ob Homöopathika wirken, folgendes:

Nicht über den Placebo-Effekt hinaus. Alleine das Gefühl, dass man gut behandelt wird, führt zur Verbesserung der Symptome. Auch die Einstellung zur Erkrankung verbessert sich. Das fasst man unter Placebo- und Kontexteffekten zusammen. Diese treten bei jeder Behandlung auf. Je besser das Verhältnis zum Arzt ist und je größer das Vertrauen, umso stärker können die Effekte sein. Die Homöopathie hat nicht mehr zu bieten. Auch in Studien sehen wir keine Belege, dass es eine spezifische Wirkung gäbe. Einzelne, oft methodisch mangelhafte, zeigen zwar positive Tendenzen, aber in nicht überzeugender Weise.

Dem Pharmakonzern Hevert ist das zu viel Wahrheit, schließlich geht es um einen Umsatz von 670 Millionen Euro den Pharmafirmen, alleine in Deutschland, ihren naiven Kunden aus der Tasche ziehen. In einer Unterlassungserklärung wird Frau Grams aufgefordert, nicht mehr zu behaupten das Homöopathische Mittel keine Wirkung haben die über den Placebo-Effekt hinausgeht. Der Konzern beruft sich darauf das seine Medikamente das Zulassungsverfahren erfolgreich durchlaufen haben.

Warum gelten Homöopathika in Deutschland als Arzneimittel?

Laut §2 Arzneimittelgesetz sind Arzneimittel sind Stoffe oder Zubereitungen aus Stoffen die:

  • zur Anwendung im oder am menschlichen oder tierischen Körper bestimmt sind und als Mittel mit Eigenschaften zur Heilung oder Linderung oder zur Verhütung menschlicher oder tierischer Krankheiten oder krankhafter Beschwerden bestimmt sind oder
  • die im oder am menschlichen oder tierischen Körper angewendet oder einem Menschen oder einem Tier verabreicht werden können, um entweder
    • die physiologischen Funktionen durch eine pharmakologische, immunologische oder metabolische Wirkung wiederherzustellen, zu korrigieren oder zu beeinflussen oder
    • eine medizinische Diagnose zu erstellen.

Es reicht also das der Zweck des Mittels ist Krankheiten zu heilen, ob das Mittel diesen Zweck auch erfüllt ist dabei völlig unwichtig. Allerdings müssen Arzneimittel in Deutschland zugelassen werden bevor sie in den Handel gebracht werden können. Dabei muss der Hersteller nachweise bezüglich Qualität, Wirksamkeit und Unbedenklichkeit erbringen. Besonders das Kriterium der Wirksamkeit stellt die Hersteller in der Regel vor unlösbare Probleme, denn wie Soll ein Medikament eine Wirkung haben wenn aufgrund der extrem hohen Verdünnungen kein Molekül des Wirkstoffs mehr enthalten ist?

Zum Glück für die Pharmabranche hat der Gesetzgeber mit §38 Arzneimittelgesetz ein Schlupfloch ins Arzneimittelgesetz eingebaut:

Fertigarzneimittel, die Arzneimittel im Sinne des § 2 Abs. 1 oder Abs. 2 Nr. 1 sind, dürfen als homöopathische Arzneimittel im Geltungsbereich dieses Gesetzes nur in den Verkehr gebracht werden, wenn sie in ein bei der zuständigen Bundesoberbehörde zu führendes Register für homöopathische Arzneimittel eingetragen sind (Registrierung). Einer Zulassung bedarf es nicht.

Die Produkte der F. Hevert sind aber zugelassen, wie kann das sein? Der Wirkungsnachweis wird hier durch einen sogenannten “Binnenkonsens” ersetzt. In der Kommission D des Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte setzen sich dann sogenannte “Experten” aus diesem Gebiet zusammen und entscheiden nach persönlicher Meinung, also ohne wissenschaftlich fundierte Daten, darüber ob das Zeug was sie vor sich haben vielleicht irgendeine Wirkung hat oder nicht. Deshalb darf sich auch Wasser das mit Wasser verdünnt wurde oder Zuckerkügelchen die mit verdünntem Wasser besprüht wurden “Medikament” nennen.

Das es auch anders geht zeigt das Beispiel USA. Dort hat die das gemeinnützige Center for Inquiry (CFI) bei der amerikanischen Arzneimitelbehörde FDA einen Beschluss erwirkt nach dem auf homöopathischen Produkten der Hinweis augedruckt sein muss dass es keine wissenschaftliche Evidenz für die Wirkung des Produkts gebe und dass die Wirkungstheorien der Homöopathie aus dem 18. Jahrhundert stammen.

Aktuell läuft eine Klage des CFI gegen den Einzelhandelsriesen Walmart. „Walmart begeht einen groß angelegten Konsumentenbetrug und gefährdet die Gesundheit seiner Kunden, indem der Konzern homöopathische Medizin verkauft und vermarktet“, heißt es dort. In der Klage gehe es darum, dass Walmart in seinen Geschäften keinen Unterschied zwischen „nutzlosen“ Homöopathika und „echten“ Arzneimitteln mache, das gelte auch für das Online-Angebot des Konzerns. Die Kunden würden so betrogen, weil die Sicherheits- und Wirkungsaspekte der Homöopathie falsch dargestellt würden.

Grüße vom Webfuchs

Quellen: Spiegel Online, FAZ+ , GWUP , Deutsche Apotheker Zeitung

2 thoughts on “Homöopathie-Konzern mahnt Kritiker ab”

  1. Nichts für ungut, aber der springende Punkt in dieser Geschichte ist nicht, dass registrierte Mittel keiner Zulassung bedürfen. Bei den Unterlassungserklärungen Heverts geht es um zugelassene (!) Mittel und die für diese Mittel im Arzneimittelrecht unterstellte Wirksamkeit, obwohl die Wirksamkeit nicht wie bei anderen Arzneimitteln durch PhaseI-III-Studien nachgewiesen ist. Es geht also um eine sehr spezifische arzneimittelrechtliche Finesse.

    1. Ich habe diesen Fall zum Anlass zu einer allgemeinen Betrachtung über die rechtlichen Grundlagen zur Klassifizierung von Homöopathika als Arzneimittel. Dabei konnte offenbar der Eindruck entstehenen das es sich im Fall Hevert nicht um zugelassene Produkte handelt weil eine Zulassung nach §38 Arzneimittelgesetz nicht erforderlich ist.

      Ich habe den Text ergänzt um dieses Mißverständnis auszuräumen. Danke für den Hinweis.

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