Die Ökonomie des Glaubens

Es ist gut an Gott zu glauben, das ist der Titel eines Beitrags des Blogs „Mayers Weltwirtschaft“ in dem der Ökonom Thomas Mayer zu Wirtschaftsthemen schreibt. Bringt der Glaube also aus ökonomischer Sicht unterm Strich einen Profit? Mayer bezieht sich bei seiner Analyse auf den Mathematiker und Ökonomen Blaise Pascal:

Er hat sich die Frage gestellt, ob er an ein Leben nach dem Tod glauben soll. Zur Beantwortung hat er die Gewinnerwartung für den Glauben daran berechnet. Er nahm an, dass die Wahrscheinlichkeit für ein Leben nach dem Tod nicht sehr groß war – sagen wir einmal 10 Prozent. Falls es dieses aber geben sollte, wäre der Wert dessen, was man dabei gewinnen würde, nach irdischen Maßstäben unendlich groß. Daraus folgt, dass der Erwartungswert einer Wette auf das Leben nach dem Tod unendlich ist. Denn der Erwartungswert ergibt sich aus der Wahrscheinlichkeit für den Gewinn multipliziert mit dessen Wert. Also: 10 Prozent mal unendlich ergibt unendlich. Die Kosten der Wette schätzte Pascal auf deutlich weniger als unendlich. Man musste nur ein bisschen fromm sein. Ein sehr attraktives Nutzen-Kosten-Verhältnis also.

Pascal wurde jedoch weit mehr als ein bisschen fromm. Er ging ins Kloster, weil er eine zweite Wette aufmachte. Er wettete, dass er in die Hölle kommen könnte, wenn er nicht fromm war. Dort war der erwartete Verlust unendlich. Aber seien wir ehrlich: Die zweite Wette ist logisch unabhängig von der ersten. Also braucht man diese nicht zusätzlich einzugehen und kann aufs Kloster verzichten.

Mayer schreibt dann das diejenigen die an ein Leben nach dem Tod glauben angstfreier Leben denn sie können sich mit der Aussicht auf ein bessereres Leben nach dem Tod über den unausweichlichen Verlust des diesseitigen Lebens hinwegtrösten. Der Autor macht aber dort den entscheidenden Fehler wo er die Aussicht auf den Himmel von der Aussicht auf die Hölle logisch trennt. Ein Gläubiger handelt sich immer beides ein, Himmel und Hölle gibts nur im Doppelpack.

Jemand der nicht glaubt kann sich entspannt zurücklehnen denn er weiss was ihn nach dem Tod erwartet, nämlich nichts. Er drückt damit die Demut aus die Gläubige sich gerne selbst zusprechen, denn er lässt den Gedanken zu das er nicht so wichtig ist das er unbedingt über den Tod hinaus weiter existieren muss, wo auch immer das sein mag. Ich persönlich finde das sehr viel beruhigender als die ständige Unsicherheit ob es nun der Himmel oder die Hölle wird, denn ich habe Gewissheit.

Ein Ökonom arbeitet bei Risikoabschätzungen mit Wahrscheinlichkeiten. Wie wahrscheinlich ist es also in den Himmel bzw. in die Hölle zu kommen? Vor allem 2 Bibelstellen sind da hilfreich in denen Jesus sagt:

  1. Matthäus (Kapitel 5 Vers 3): Selig sind, die da geistlich arm sind; denn ihrer ist das Himmelreich.
  2. Markus (Kapitel 10, Vers 25): Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt.

Jesus muss es wissen denn als Teil der Trinität aus Vater, Sohn und heiligem Geist sitzt er direkt an der Quelle des Wissens. Wenn man aber weiß das Intelligenz und materieller Reichtum den Weg in den Himmel versperren kann sich jeder selbst ausrechnen wie für ihn persönlich die Risikobewertung ausfällt. Vor allem wenn man bedenkt das nach den Maßstäben die zu Jesus Zeiten gegolten haben heute bereits ein Hartz4 Empfänger reich wäre.

Aber ist der Himmel wirklich toll und die Hölle schrecklich? Was einen genau in Himmel und Hölle erwartet, darüber schweigt sich die Bibel aus. Der Koran wird da schon konkreter:

Im Islam verweist das Konzept der 72 Jungfrauen (Huri) auf einen Aspekt von Jannah. Dieses Kozept gründet auf dem koranischen Text, der das sinnliche Paradies beschreibt, wo man glaubt, dass Männer mit Jungfrauen verheiratet werden, die „groß gewachsene“, „schwellende“ oder „wie Pfirsiche geformte“ Brüste haben. Im Gegenzug, bekommen Frauen nur einen Mann, und sie „werden mit ihm zufrieden sein.

Quelle: Wikiislam

Das Gott in seinem Refugium wüste Orgien dulden würde erscheint mir schwer vorstellbar, derartiges Treiben würde besser in die Hölle passen. Dann erscheint es auch logisch das ein Selbstmordattentäter, der mehrfachen Mord auf sein Gewissen geladen hat, nach seinem Tod an diesen Ort kommt. Das Selbstmordattentate vom Islam gedeckt sind ist durchaus umstritten:

Wie aber steht es mit der Frage von Selbstmordattentaten? Sind diese wirklich ursprünglich islamisch? „Den Gedanken, dass man beim Tod im Kampf zum Märtyrer wird, hat es zwar im frühen Islam gegeben, doch möglicherweise spielten in der Ausarbeitung des Märtyrerkonzepts auch christliche Einflüsse eine Rolle“, sagt Ourghi. Keinesfalls war es aber erlaubt, vorsätzlich den Tod in der Schlacht zu suchen. „Im Koran findet sich nicht die geringste Legitimation für einen Selbstmordanschlag“, betont der Islamexperte El Difraoui.

 Quelle: Focus.de

Wenn man unterstellt das Gott seine Vorstellungen von einem guten, gottesfürchtigen Leben der Menschen nach deren Tod nicht fundamental verändert kann man zu der Vorstellung kommen das das Leben im Paradies vermutlich daraus bestehen wird auf einer zugigen Wolke zu sitzen und den ganzen Tag den Herren zu Lobpreisen. Die Sünder sitzen derweil in der warmen Hölle bei Wein, Weib und Gesang. Ich kann der ersten Option nicht besonders viel abgewinnen.

Vielleicht hat aber der itaienische Schriftsteller Dante Alighieri mit seiner Schliderung der Hölle als Ort der Läuterung durch das Fegefeuer recht, wobei sich mir nicht erschließt warum ein Sünder den man gegrillt hat hinterher kein Sünder mehr sein soll. Aus logischer Sicht erscheint mir das Konstrukt „Hölle“ als Ort der Bestrafung unwahrscheinlich.

Zum Schluss will ich noch auf Thomas Mayers eigentliches Dilemma eingehen. Er ist aus der Kirche ausgetreten weil der Glaube an Gott mit seinem eigentlichen Glauben kollidiert, dem (typisch neoliberalen) Glauben an die Unfehlbarkeit des Marktes. Er will keine Kirche unterstützen die fordert das der Staat die Kluft zwischen Arm und Reich verringert.

Der Satz:

Wer den Armen helfen will, muss zuerst mal daran denken, dass erarbeitet werden muss, was verteilt werden soll.

soll vermutlich den Leser zu der Annahme verleiten das Umverteilung in jedem Fall dazu führt das er bei weniger Lohn mehr arbeiten muss damit den Armen geholfen werden kann. So versucht der Autor den Leser auf seine Seite, auf die Seite der Reichen, zu ziehen. Den Gedanken denjenigen, die ohnehin mehr Besitzen als sie jemals ausgeben könnten, über angemessene Vermögens-/Erbschafts- und Kapitalertragssteuern etwas wegzunehmen um damit die Nachfrage der unteren Gesellschaftsschichten anzukurbeln, ist eine Art Blasphemie und darf nicht mal gedacht werden.

Noch schlimmer ist der Gedanke das über die zusätzliche Nachfrage der unteren Bevölkerungsschichten die Unternehmen wieder investieren und Arbeitsplätze schaffen weil sich die Ausweitung der Produktionskapazitäten auf einmal wieder renitert. Ein wirtschaftlicher Aufschwung aufgrund von Umverteilung würde das Weltbild von Thomas Mayer vermutlich in seinen Grundfesten erschüttern, dabei haben wir genau das mit der Einführung des Mindestlohns gerade erlebt.

Grüße vom Webfuchs

Quelle: FAZ Online – Mayers Weltwirtschaft

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