Brexit – Europa wird immer unbeliebter

Was eigentlich nur dazu gedacht war um die EU-Gegner in den eigenen Reihen ruhigzustellen hat sich als die größte Niederlage in der politischen Karriere David Camerons erwiesen. Die Briten verlassen die EU. Und jetzt?

Seit Monaten wird der Briten von den Medien gesagt welche Katastrophen über das vereinigte Königreich hereinbrechen werden und warum es allen schlechter gehen würde wenn sie die EU verlassen. Die Briten hat das offenbar nicht beeindruckt. Was laut Experten jetzt passieren wird (oder auch nicht):

  • Der Finanzplatz London wird geschwächt – davon ist auszugehen. Die Deutsche Börse in Frankfurt und die London Stock Exchange planen schon seit längerem eine Fusion. London sollte der Hauptsitz der fusionierten Börse werden, das ist jetzt höchst unwahrscheinlich, selbst wenn die Aktionäre der Fusion trotz Brexit zustimmen würden.

Das Pfund Sterling fällt ins Bodenlose – das passiert aktuell grade. Allerdings fällt der Euro mit, europäische Waren werden für Briten (vorerst) also nur geringfügig teurer. Nichteuropäische Waren werden allerdings sehr viel teurer und britische Waren werden im Ausland im Gegenzug sehr viel billiger. Es lohnt also wieder in Großbritannien Fabriken zu bauen und die fatale Abhängigkeit der britischen Wirtschaft von der Finanzindustrie wäre durchbrochen.

  • Die fehlenden EU-Subventionen sind der Todesstoß für die britische Landwirtschaft – die Briten sind Nettozahler in den EU-Beitragstopf. Wenn die UK-Regierung die gesparten Beiträge an den EU-Haushalt direkt an die Landwirte ausschüttet ändert sich für die erstmal nichts und die Briten hätten sogar noch Geld übrig. Außerdem könnten die Briten selbst entscheiden ob weiterhin eher Agrarfabriken oder lieber Kleinbetriebe gefördert werden sollen.
  • Großbritannien könnte zerbrechen – die Gefahr ist sehr konkret. Sowohl Schottland als auch Nordirland haben praktisch geschlossen gegen den Brexit gestimmt. Erste Reaktionen von Gerry Adams (Sinn Fein, Nordirland) und Nicola Sturgeon (Scotish National Party) deuten bereits Unabhängigkeitsreferenden an.

Für Europa bedeutet das vor allem einen enormen Auftrieb für die EU-Skeptiker. Geert Wilders (Partij voor de Vrijheid, Niederlande) und Marine le Pen (Front National, Frankreich) haben für ihre Länder schon entsprechende Referenden für einen Austritt gefordert. Wenn es noch Europapolitiker gab die die Warnschüsse aus der Bevölkerung bislang ignoriert haben sollten spätestens jetzt aufwachen. Deutschland verliert einen wichtigen Absatzmarkt, das Außenhandeldefizit Großbritanniens betrug zuletzt ca. 150 Milliarden Euro (60 Milliarden Euro alleine gegenüber Deutschland) pro Jahr. Es sind also 150 Milliarden Euro aus Großbritannien auf die Konten vor allem deutscher Großkonzerne abgeflossen.

Fazit: Wenn die neoliberalen Mainstreamökonomen recht behalten geht die britische Wirtschaft jetzt den Bach runter, es gibt aber gute Gründe anzunehmen das es ganz anders kommen wird und die Briten am Ende vom Austritt profitieren könnten. Die europäischen Politiker werden zweifellos alles daran setzen das das nicht passiert denn ein solches Beispiel wäre verheerend für die Länder die unter der europäischen Austeritätspolitik leiden.

Grüße vom Webfuchs

Quellen:

FAZ – Börsenfusion

Statista Aussehandel Eurozone

Focus – Dominoeffekt

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