EZB – Mario Draghi gegen die Sparer

Die EZB enteignet die Sparer kann man regelmäßig dann lesen wenn die EZB die Leitzinsen gesenkt hat. Vor allem die Krawallmedien wie Bild oder Welt behaupten das immer wieder gerne. Aber hat die Zentralbank tatsächlich die uneingeschränkte Macht über den Zins und hat der niedrige Zins vielleicht ganz andere Gründe?

 

Was hat die EZB beschlossen?

Am 16.3.2016 war es soweit: Die EZB hat den Satz der Hauptrefinanzierungsgeschäfte, also den Zinssatz den die Banken zahlen müssen wenn sie sich Zentralbankgeld von der EZB leihen, auf 0% gesenkt. Gleichzeitig wurde der Satz der Einlagefazilität, also der Zinssatz den die Banken von der EZB bekommen wenn sie Zentralbankgeld auf ihren Konten bei der EZB lagern, weiter auf -0,4% gesenkt. Die Banken bekommen also Geld von der EZB kostenlos, müssen aber zahlen wenn sie ihre Überschüsse dort lagern. Außerdem kauft die EZB noch mehr Staatsanleihen als bisher und erstmals auch Aktien von Unternehmen. Das Volumen dafür wurde von 60 Milliarden auf 80 Milliarden Euro pro Monat erhöht.

 

Was will die EZB damit erreichen?

Aufgabe der EZB ist es Geldwertstabilität zu gewährleisten. Dafür hat sie sich das Ziel gesetzt in der Eurozone eine Inflationsrate von 1,9% zu erreichen. Davon ist die EZB momentan weit entfernt. In Deutschland haben wir eine Inflation von 0,3% die Rate für die gesamte Eurozone liegt bei -0,2%. Dadurch das die Banken das Geld umsonst bekommen will die EZB erreichen das die Banken mehr Kredite an die Unternehmen vergeben mit denen die dann Investieren und die Konjunktur ankurbeln.

In die gleiche Richtung zielt der Negativzins auf die Einlagen der Banken bei der EZB. Dadurch sollen die Banken motiviert werden das Geld nicht auf den Konten zu horten sondern über Kredite in Umlauf zu bringen. Durch den Ankauf der Anleihen will die EZB zusätzlich Geld freisetzen und Anlagemöglichkeiten vom Markt nehmen. Die Anleger können ihr Geld nicht mehr in Staatsanleihen anlegen wenn die EZB den Markt dafür leerkauft, sie müssen sich andere Anlagemöglichkeiten suchen und wenn es nach der EZB geht dann gerne in Form von Investitionen in die Realwirtschaft.

 

Wird das funktionieren?

Vermutlich nicht. Diese Strategie fährt die EZB schon seit Jahren und es hat noch nie einen nennenswerten Effekt auf die Konjunktur gehabt. Das ausgerechnet jetzt eine Schwelle erreicht ist an dem die Maßnahmen zu wirken beginnen ist extrem unwahrscheinlich. Die Möglichkeiten der EZB sind allerdings begrenzt, sie kann den Einlagesatz nicht endlos weit senken und einige Sparkassen denken schon darüber nach sich wieder einen großen Tresor in den Keller zu stellen und dort Bargeld zu lagern. Sie kann auch noch mehr Aktien/Anleihen kaufen, wenn die Unternehmen keine Kredite brauchen, sind alle Maßnahmen die die Zentralbank ergreifen kann wirkungslos.

 

Warum machen die das dann?

Der Monetarismus ist vor allem bei deutschen Volkswirten sehr beliebt. Milton Friedman unterstellt dabei das die Entwicklung der Inflation direkt mit der Entwicklung der Geldmenge zusammenhängt. Friedman bezieht sich dabei auf Irving Fischer der mit seiner Quantitätstheorie einfach unterstellt das es diesen Zusammenhang gibt. Diese Annahme war offensichtlich falsch. Wenn das Geld nicht in die Realwirtschaft fließt sondern für Geschäfte auf dem Finanzmarkt verwendet wird (Spekulation mit Aktien oder Rohstoffen) dann hat das zusätzliche Geld keinen Einfluss auf die Warenpreise.

Friedman hat seine Theorie als Gegenentwurf zu der Konsumfunktion des britischen Ökonomen John Maynard Keynes erstellt. Keynes stellt dort einen Zusammenhang zwischen den Einkommen der Menschen (z.B. Löhne, Kapitalerträge wie Zinsen und Aktiengewinne) und der Inflation her. Während sich scheinbar sowohl international als auch bei der EZB langsam die Erkenntnis durchsetzt das Friedman sich geirrt hat und Keynes richtig lag sind die deutschen Volkswirte leider derart erkenntnisresistent das es schon an Borniertheit grenzt. So waren die deutschen Vertreter im EZB Direktorium, Axel Weber und Jörg Asmussen, mit ihrer Meinung regelmäßig in der Minderheit und wurden überstimmt. Die deutschen Leitmedien haben das gerne so ausgelegt das die EZB gegen die deutschen Interessen handelt, die Möglichkeit das die beiden schlicht Inkompetent sind war scheinbar undenkbar. Das gleiche gilt für Bundesbankpräsident Jens Weidmann.

 

Wenn die EZB die Inflation nicht steigern kann wer dann?

In erster Linie die Tarifvertragsparteien und in zweiter Linie die Politik. Lohnsteigerungen durchzusetzen ist die Sache der Gewerkschaften aber leider sind die zu Bescheiden, zum Nachteil der Wirtschaft.. Wenn die Menschen mehr Geld in der Tasche haben dann geben sie in der Regel auch mehr aus und dann (und nur dann) können die Unternehmen höhere Preise durchsetzen. Dabei muss die Lohnsteigerung über der Steigerung der Produktivität liegen. Wenn die Unternehmen also z.B. 2% mehr Waren produzieren und die Löhne ebenfalls um 2% steigen dann können die Unternehmen die zusätzlich produzierten Waren zum gleichen Preis absetzen aber für Preisssteigerungen ist kein Geld mehr übrig. Erst wenn die Löhne um 4% steigen können die Firmen die Preise um 2% erhöhen und werden trotzdem noch alle Waren los. Diesen Effekt konnte man bei der Einführung des Mindestlohns sehen, von Januar bis Mai 2015 ist die Inflationsrate von -0,3% auf 0,7% hochgeschnellt.

 

Wer profitiert von dem ganzen?

Zunächst erstmal alle die neue Schulden aufnehmen, an erster Stelle der Staat als größter Schuldner der Volkswirtschaft, Wolfgang Schäuble hat seine Haushaltsüberschüsse vor allem dadurch erzielt das er auf die Bundesanleihen keine Zinsen mehr zahlt, teilweise bekommt er sogar Geld geschenkt wenn er Schulden macht. Profitieren können auch diejenigen die sich Autos oder Häuser kaufen, zumindest solange die Immobilienpreise noch einigermaßen erschwinglich sind. Aber auch die Exportwirtschaft profitiert von den niedrigen Zinsen. Dadurch rentieren sich Geldanlagen in der Eurozone nicht mehr, Geld fließt vom Euro- in den Dollarraum und der Wechselkurs des Euro zum Dollar sinkt. Dadurch werden europäische Waren im Dollarraum billiger und umgekehrt.

 

Werden jetzt die Sparer enteignet oder nicht?

Den Sparern wird kein Geld weggenommen aber sie bekommen nur noch sehr geringe Zinsen, wenn überhaupt. Die Frage zielt also darauf ab ob die Sparer ein Recht auf Zinsen haben und die Antwort ist nein. Auch wenn sich  bei vielen in den Köpfen festgesetzt hat das es eine Selbstverständlichkeit ist das man auf sein Erspartes Zinsen bekommt wenn man es zur Bank bringt gibt es kein Gottgegebenes Recht auf Rendite. Die EZB hat in der Vergangenheit dafür gesorgt das die Banken positive Zinsen bekamen wenn sie überschüssiges Geld auf ihren EZB-Konten parken und die Banken konnten deshalb auch dann Zinsen an die Sparer zahlen wenn kein Geld gebraucht wurde. Mit den negativen Einlagezinsen für die Geschäftsbanken sind diese Zeiten erstmal vorbei. Es ist nicht die Aufgabe einer Zentralbank die Rendite der Geldbesitzer sicherzustellen.

Der alte Spruch:“Lass Dein Geld für Dich arbeiten“ ist noch vielen in Erinnerung und er ist grundfalsch. Geld arbeitet nicht sondern Menschen arbeiten und nur Menschen schaffen einen Mehrwert. Wenn Geld dabei hilft diesen Mehrwert zu erarbeiten bekommen die Geldbesitzer einen Teil dieses Mehrwertes als Zins ab, wird das Geld nicht gebraucht dann gibts auch keinen Zins. Das kann man aktuell gut sehen und wenn diese Erkenntnis in den Köpfen der Menschen ankommt dann hat die Niedrigzinsphase auch ihr Gutes.

 

Grüße vom Webfuchs

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