Der Zins Teil 2 – Mythen und Märchen

Nachdem es im ersten Teil darum ging worum es sich beim Zins handelt soll es hier darum gehen welche Geschichten die Zinskritiker erzählen um ihre Thesen zu untermauern.

Der Josephspfennig

Angenommen Joseph hätte für seinen Sprössling Jesus bei seiner Geburt ein Konto bei der Bank von Jerusalem eingerichtet und einen hebäischen Cent eingezahlt dann hätte Jesus bei seinem 18. Geburtstag schon 2 Cent (für einen Führerschein hätte es auch damals noch nicht gereicht), wäre Jesus nicht mit mit 30 Jahren gekreuzigt worden und würde mit 65 in Rente gehen bekäme er jedes Jahr 1 Cent Zinsen und könnte sich davon ein lustiges Leben machen. Wenn Jesus jetzt wieder auf die Erde kommt und im Internet auf die Seite eines Zinskritikers surft würde er feststellen das auf seinem Sparbuch der Gegenwert von 52.194.762.406.749.596.188.226.011.368.141.170.409.472 Hebäischen Talern stehen müsste.

Quelle: grobauer.at

Eine beeindruckende Zahl Wie einfach es doch ist reich zu werden soll damit wohl gesagt werden. Was würde der Schalterbeamte Jesus wohl sagen wenn er mit seinem Sparbuch in die Bank kommen würde und das Geld nachtragen lassen wollte? Vielleicht das:

„Hallo Herr Christus, wir freuen uns sie in unserer Bank begrüßen zu dürfen. Leider gibt es ein paar Probleme mit ihrem Sparbuch. Im Jahr 40 gab es eine Fusion mit der Bank von Nazareth und wir haben alle Kunden angeschrieben das sie ihre Konten umschreiben lassen müssen. Der Brief scheint sie nicht erreicht zu haben. Im Jahr 60 gab es eine Währungsreform und alle Konten wurden auf römische Talente umgeschrieben. Es gab außerdem ein paar Kriege und Inflationen und heute zahlen wir mit Schekel. Ich kann ihnen daher den Betrag leider nicht gutschreiben aber wenn sie wollen spendiere ich Ihnen eine Tasse Kaffee.“

Aber es kann ja jeder leicht selbst herausfinden wie schnell er durch den Zins reich wird. Man muss nur zur Bank gehen, ein Konto eröffnen und einen Cent einzahlen. Da keine regelmäßigen Zahlungen auf dem Konto eingehen wird die Bank Kontoführungsgebühren berechnen, z.B. 30 Euro pro Quartal. Nach 3 Monaten beträgt der Kontostand – 29,99 Euro, nach einem Jahr – 119,99 Euro. Außerdem kommen dann noch Dispozinsen von vielleicht 10% dazu. Nach 2 Jahren wird das Konto wegen permanenter Unterdeckung eingefroren und die Bank beauftragt einen Gerichtsvollzieher den ausstehenden Betrag zu pfänden.

Ganz so einfach ist es in der Praxis wohl doch nicht. Die Geschichte vom Josephspfennig ist eben nur eine Geschichte und nicht mehr.

Die Geschichte von den 10 Leuten die einen Kredit aufnehmen

Stellen wir uns vor ein Bänker hat 1000 Taler und möchte sie zu 5% Zinsen verleihen. 10 Leute nehmen jeweils 100 Taler Kredit auf. Nach einem Jahr zahlen sie das Geld zurück aber jetzt schuldet jeder der Bank 5 Taler und die kann er nicht zurückzahlen weil es das Geld nicht gibt. Um die Schuld zu bezahlen müssen die 10 Leute weiter verzinste Kredite aufnehmen und die Schulden steigen immer weiter bis das System zusammenbricht.

Hier muss man schon etwas länger nachdenken um den Fehler zu finden. Die entscheidende Frage ist: Was machen die 10 Leute eigentlich mit dem Geld? In der Praxis nimmt niemand einen Kredit auf um das Geld einfach rumliegen zu lassen. Vor allem dann nicht wenn er dafür Zinsen zahlen muss. Die 10 werden das Geld vermutlich investieren, das könnte so aussehen:

  • Nummer 1 baut Steinbruch und kauft dafür sein Werkzeug vom Werkzeugmacher
  • Nummer 2 baut einen Bauernhof und kauf die Steine dafür im Steinbruch und das Holz vom Holzfäller
  • Nummer 3 baut eine Mühle und kauft das Getreide vom Bauern
  • Nummer 4 baut eine Bäckerei und kaufte das Mehl vom Müller
  • Nummer 5 hackt Holz und kauft seine Brötchen vom Bäcker

Und so weiter.

Das Geld fließt von einem zum anderen und macht das wofür es eigentlich gedacht ist, nämlich die Wertschöpfung der Marktteilnehmer zu unterstützen. Wenn wir jetzt nach einem Jahr Bilanz ziehen gibt es nicht nur die 1000 Taler Geldvermögen sondern auch für 1000 Taler Sachvermögen, nämlich den Bauernhof, die Mühle,den Bauernhof und so weiter. Das nennen Ökonomen einen Kapitalstock und der bleibt auch bestehen wenn man das gesamte Geld aus dem Wirtschaftskreislauf entfernt. Wenn also alle ihr Geld zurückgezahlt haben bleiben die 5% Zinsen noch immer unbezahlt, aber was hat der Bänker in der Zwischenzeit gemacht?

Er hat vermutlich eine Bank gebaut, Steine und Holz verbraucht, Brötchen vom Bäcker und Wurst vom Metzger gekauft aber bezahlen konnte er nicht denn er hatte ja kein Geld, das hatte er vollständig verliehen. Er hat also anschreiben lassen und wenn jetzt die 10 Leute zu ihm kommen dann verrechnet er einfach die Schulden die er bei ihnen gemacht hat mit den Zinsen die er von Ihnen bekommt und der Zins ist aus der Welt.

In dem Beispiel gibts also folgende Denkfehler:

  • Die Kreditnehmer arbeiten nicht mit dem Geld um Werte zu schaffen
  • Der Bänker hat keine Ausgaben

Die gleichen Denkfehler finden sich in unzähligen Youtube Filmen wieder (zum Beispiel beim Goldschmied Fabian). Immer wird behauptet der Zins würde nicht aus dem umlaufenden Geld bezahlt sondern müsste irgendwie zusätzlich geschaffen werden. Dadurch würden sich die Schulden zwangsweise immer weiter auftürmen weil die Schuldner immer mehr Kredite aufnehmen müssen um die Zinsen für die Altkredite zu bezahlen. Das diese Annahme falsch ist weiß jeder der schon einmal einen Kredit aufgenommen hat.

2 Fragen wird der Bankberater immer stellen, nämlich wie hoch ist ihr Einkommen und welche Sicherheiten können sie stellen. Diese Fragen stellt er deswegen weil ein Kreditgeschäft genau 3 Verläufe nehmen kann:

  • Der Kredit wird inclusive Zins aus dem laufenden Einkommen des Kreditnehmers getilgt
  • Der Kreditnehmer verliert sein regelmäßges Einkommen und kann nicht zahlen, dann zieht die Bank die Sicherheit die er bei der Kreditvergabe stellen musste ein.
  • Der Kreditnehmer verliert sein regelmäßges Einkommen und kann nicht zahlen, außerdem wird die Sicherheit die er stellen musste wertlos weil z.B. das Auto kaputt oder das Haus abgebrannt ist. Dann muss die Bank die restliche Forderung abschreiben, notfalls über eine Privatinsolvenz des Schuldners.

Das wars. In jedem Fall ist der Zins damit aus der Welt und da summiert sich nichts auf.

Grüße vom Webfuchs

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