Der Zins Teil 1 – Grundlagen

Ein beliebtes Thema bei Weltuntergangspropheten ist der Zins und sein noch dunklerer Bruder, der Zinseszins. Armut, Hunger, Kriege, Wirtschaftskriesen und am Ende der Zusammenbruch des Geldsystems, an allem ist angeblich der Zins schuld. Aber stimmt das wirklich?

„Tut tut Gutes und leiht, wo ihr nichts dafür zu bekommen hofft. So wird euer Lohn groß sein und ihr werdet Kinder des Allerhöchsten sein; denn er ist gütig gegen die Undankbaren und Bösen. “ (Lk 6,17-49, 35).

Das sagt Jesus in der Bergpredigt zu seinen Anhängern. Auf einer Aktionärsversammlung einer Großbank würde Jesus da vermutlich auf wenig Gegenliebe stoßen. Banken erheben Zinsen auf Geld das sie verleihen und wenn die Geschäfte gut laufen dann gewähren sie Zinsen auf das Geld das ihre Kunden ihnen bringen. Die Zinsen die die Banken verlangen setzen sich vor allem aus 3 Komponenten zusammen:

  • Die laufenden Kosten der Bank (Löhne, Immobilien, EDV etc)
  • Die Gewinnerwartung der Bank (ja, auch Banken möchten gerne Gewinne erwirtschaften)
  • Die Rückstellungen für Kreditausfälle.

Der letzten Punkt erklärt auch warum Zinsen prozentual berechnet werden und nicht als feste Gebühr (diese Möglichkeit wird von Zinsgegnern gerne genannt um den Zinseszinseffekt zu eliminieren). Einer Bank entstehen größere Verluste wenn eine Firma mit 500.000 Euro Schulden insolvent wird als wenn Otto Normalschuldner die 500 Euro Kredit für seinen neuen Fernseher nicht zurückzahlen kann. Deshalb verlangt sie von beiden einen Prozentsatz der Kreditsumme zur Risikovorsorge. Mit einer festen Gebühr müsste die Bank einen Durchschnitt der Verluste an die Kunden weiterreichen und dadurch würden die Kleinkredite sehr viel teurer und Großkredite sehr viel billiger. Das ist sicher nicht im Sinne des Erfinders.

Der Zinseszinseffekt

Der berühmte Physiker Stephen Hawking hat in seinem Buch „Eine kurze Geschichte der Zeit“ einmal geschrieben das jede mathematische Formel die Auflage eines Buchs halbiert, Ich hoffe das gilt nicht für Blogs denn ohne die Zinseszinsformel macht eine Analyse des Zinseszinseffekts keinen Sinn.

Uns so sieht sie aus:

Kn ist das Kapital das man am Ende herausbekommt wenn man sein Anfangskapital K0 über n Zeiträume (normalerweise Jahre) zu einem festen Zinssatz p verzinsezinst. Da das Kapital im Laufe der Zeit immer mehr wird steigen auch die Zinserlöse auf das Kapital wodurch sich das Wachstum weiter beschleunigt. Wenn man nur lange genug wartet steigen Wachstum und Kapital ins Unendliche.

Haben die Zinskritiker also recht wenn sie sagen das es irgendwann zwangsläufig zum Kollaps des Geldsystems kommen muss? Klare Antwort: Nein.

Die Zinseszinsformel ist eine rein theoretische Betrachtung der Zinsentwicklung. Damit die Formel funktioniert müssen mehrere Voraussetzungen gegeben sein:

  • Das Kapital K darf während des gesamten Zeitraums n nicht von aussen verändert werden. Es darf also weder Verluste durch insolvente Schuldner geben noch darf der Kapitalbesitzer etwas von dem Geld abheben um sich etwas schönes dafür zu kaufen.
  • Der Zinssatz p muss während des gesamten Zeitraums n gleich bleiben.
  • Der Kapitalbesitzer muss während des gesamten Zeitraums n immer jemanden finden der das Geld haben will und bereit ist dafür Zinsen zu bezahlen.

Alle Punkte sind in der Realität nicht gegeben. Entscheidend ist aber Punkt 3, die Nachfrage nach Geld im Verhältnis zum Angebot an Geld. Da die Banken das Geld für die Kredite selbst schaffen ist immer genug Geld da (dazu später mehr), es kommt also lediglich darauf an wie hoch die Nachfrage ist. Sinkt die Nachfrage dann sinken die Zinssätze und entsprechend sinken auch die Zinseinnahmen der Banken. Dadurch wird der Kuchen der Zinsgewinne kleiner die die Geldbesitzer bekommen ein kleineres Stück davon ab, der Zinseszinseffekt ist ausgehebelt.

Wenn also jemand sagt das der Zinseszins zwingend zum wirtschaftlichen Kollaps führt reicht es in der Regel wenn man ihn bittet auszurechnen wie hoch z.B. das Endkapital nach 10 Jahren ist wenn das Anfangskapital 1 Million Euro, der Zinssatz 1% und die Nachfrage nach Krediten 0 ist.

Erfahrungsgemäß wird er ausweichen und eins der gängigen Märchen erzählen. Darauf gehe ich im nächsten Teil ein.

 

Grüße vom Webfuchs

Weiter zu Teil 2

Quellen:

Zinsvolumen lt. statistischem Bundesamt

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